Vom High-Tech Gewächshaus bis zu Biokräutern

von Michael Sypien

Die Vielfalt des Erwerbsgartenbaus in Albertshofen

Eingekleidet wie zum Besuch eines Hochsicherheitslabors wurden die Schülerinnen, Schüler und Lehrerkräfte der Abschlussklasse GäF12, bevor sie die Gewächshäuser des Betriebs Gernert Jungpflanzen GbR betreten durften. Auf technisch sehr hohem Niveau werden in diesem Betrieb die Jungpflanzen für die Produktionsgärtner herangezogen. Die empfindlichen Gemüse-, Salat-, Kräuter- und Blumensetzlinge sollen hier unter optimalen klimatischen Bedingungen zu stabilen Hochleistungsjungpflanzen heranwachsen. Dies stellt hohe Anforderungen an die Licht-, Luft- und Wasserqualität. Die dazu nötige Technik und das sehr große gärtnerische Hintergrundwissen erklärte uns der Betriebsinhaber Herr Achim Gernert. Besonders die Leistung der Topfmaschine mit 550 Kisten/Stunde für Salat und Kohl, bei 160 Pflanzen pro Kiste, und die Leistung der Steinwolltopfmaschine mit 10.000 gesäten Gurken pro Stunde lassen die umgesetzten Pflanzenmengen erahnen.

Frau Hildegard Töpfer vom Betrieb Töpfer GmbH erläuterte während einer sehr anschaulichen Betriebsführung die aktuellen Anforderungen, die ein Betrieb, der die Aufbereitung von Frischeprodukten und die Herstellung von Convenience-Produkten betreibt, im Bereich Hygiene und Produktkontrolle erfüllen muss. Wer geputzte Blattsalate, Karottenscheiben, gehackte Petersilie und Ananasstücke und die komplette Vielfalt an Salaten, Gemüse, Kräutern und Obst als Frischware an die Gemeinschaftsverpflegung liefern kann, benötigt viele Maschinen, Mitarbeiter und Know-how. Wir werden einem geputzten, gewaschenen und verpackten Salat jetzt im Laden mit Hochachtung begegnen, weil wir den Aufwand besichtigen durften, der für dieses Produkt nötig ist.

Karotten sortieren und Lauch waschen waren die Tätigkeiten, die die Klasse der Junggärtnerinnen und Junggärtner bei der Gartenbauzentrale Main-Donau eG in den Aufbereitungshallen zu sehen bekam. Eine eingetragene Genossenschaft als Unternehmensform, die die Gemüseerzeuger als Mitglieder hat, ist eine besondere, interessante Unternehmensform. Die aktuelle Vermarktungssituation der regional erzeugten Wintergemüse, die erzielbaren Preise und die Zukunft der Gartenbaubetriebe wurden mit der Standortleiterin Albertshofen, Frau Franziska Böhm, und Herrn Werner Hopf als Geschäftsführer in Gundelfingen, ausführlich diskutiert. Die Frage „Wohin mit den aussortierten 2.-Wahl-Karotten“ zeigte den Schülerinnen und Schülern, wo in der Vermarktung von Gemüse noch offene Fragen zu klären sind.

Der Duft von frischen Kräutern empfing die Klasse GäF12 in der Verpackungsabteilung des Biokräuterproduzenten Jan Will, Bio-Gemüsebaubetrieb Kräuter Will. Die speziellen Anforderungen an eine von chemischem Pflanzenschutz und mineralischer Düngung freie Kräuterproduktion wurden bei einem Gang durch die Gewächshäuser erkennbar. Kräuterpflanzen wie Rosmarin und Basilikum unter Glas verkaufsfertig großzuziehen ist eine Herausforderung. Dies wurde beim Gespräch mit dem Firmeninhaber deutlich. Auch die Einkaufspolitik der Großabnehmer wurde lebhaft besprochen.

Ein großartiges Beispiel für die Vielseitigkeit und Bandbreite des Erwerbsgartenbaus konnten die Exkursionsteilnehmer bei den vier Betrieben in dem kleinen Ort Albertshofen erleben.

Alle Betriebe nahmen sich für die zukünftigen Gärtnerkollegen viel Zeit und vermittelten ein ehrliches, positives Berufsbild. Auch ein Angebot als Mitarbeiter tätig zu werden, sprachen alle aus. „Wir brauchen immer qualifiziertes Personal“.

Vielen Dank für diese Einblicke.

Alexander Hirsch

Zurück